
Hätten wir vor 10 Jahren mit Mindestlöhnen von 7,89 Euro angefangen, hätten wir heute weniger Probleme in unseren Sozialversicherungssystemen und wir hätten heute Grund für ein erfreuliches Jubiläum. So aber wird die Farce von 7,89 Euro lediglich dem von der Zeitarbeitsbranche vorgegebenen Wert gerecht.
Ab 1.11.2012 gelten dann 8,19 Mindestlohn in den alten Bundesländern, nicht aber in den neuen, immer noch wird mit zweierlei Maß gemessen.
Berechnung des Nettolohn beim Mindestlohn
7,89 Euro mal 172 Arbeitsstunden = 1.357,08 Eur Monatslohn, Brutto versteht sich. In unserer Beispielrechnung ergeben sich für einen Jungesellen in Hessen ab Januar 2012 bei gesetzlicher Renten- und Krankenversicherung gerade einmal 1.000,32 Euro Nettolohn. Ihr Gehalt oder Ihren Nettolohn können Sie übrigens hier selbst berechnen.
Angenommen unser Arbeiter, der Erik, wohnt in Lampertheim, in einer kleinen 2 Zimmer Wohnung in Südhessen für 415 Euro Miete inklusive Nebenkosten. Zum Arbeiten fährt Erik jeden Morgen mit dem Bus nach Viernheim, 3 Waben für 89,00 Euro monatlich, im Vehrkehrsverbund Rhein-Neckar.
Die Beispielrechnung wurde mit dem Gehaltsrechner von nettolohn.de durchgeführt. Die Informationen über die Mindestlöhne stammen aus dem BMAS Pressebericht über die Mindestlöhne von heute.
Die Abende vertreibt sich Erik vorm Fernseher ( GEZ Gebühren 17,98 monatlich ) und damit er auch Mobil für seinen Arbeitgeber sowie Freunde und Familie erreichbar ist leistet sich Erik ein vertragsfreies Handy mit Flatrate vom Discounter für 15 Euro im Monat. Mit dem Strom geht Erik zwar sehr sparsam um aber unter 40 Euro monatlich, für seinen Singel-Haushalt, kommt er einfach nicht. Auf einen Festnetzanschluß und das eigene Auto verzichtet Erik aus Kostengründen.
Mindestlohn, wem da kein Licht aufgeht:
Auf die Auflistung für Kosten wie Altersvorsorge, Lebensmittel, Kleidung, Vereinsbeiträge, Versicherungen und vieles mehr habe ich jetzt einfach verzichtet. Bereits nach dieser knappen Betrachtung bleiben Erik nur 423,38 Euro um seinen gesamten restlichen Lebensbedarf zu bestreiten. Eine passende kleine Tabelle für den Haushaltsplan finden Sie in unserer Download Ecke.
Der Name Erik ist natürlich frei erfunden, die wirtschaftlichen Gegebenheiten entsprechen jedoch durchaus der Realität.
Mindestlöhne unter 11 Euro die Stunde
sind für unsere Gesellschaft nicht tragbar. Welches Eigentor sich unser Staat mit solchen Löhnen schießt wird spätestens dann klar, wenn Sie sich die Sozialabgaben in dem kleinen Bild näher ansehen. Der Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung von Erik beträgt nach 50 lückenlosen Arbeitsjahren gerade einmal 79.800 Euro ( ohne Arbeitgeberanteil ). Auch die Krankenkasse macht dabei kräftig Mieße sobald Erik einmal krank wird.
Erreicht Erik dann in ferner Zukunft das wohlverdiente Rentenalter wird er von seiner Rente natürlich nicht leben können und muss fortan Grundsicherung beantragen. Die aktuellen Strukturprobleme haben wir damit also einfach um 20-30 Jahre nach hinten verlagert. Aus meiner persönlichen Sicht ist die Frage nicht mehr ob das Pulverfass explodieren wird auf dem wir sitzen, sondern nur noch wann.



Das es auch mal für Zeitfirmen ein mindestlohn gibt finde ich gut!
#1 Kommentar vom 19. Februar 2012 um 18:52